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Natur hat Vorfahrt - Schottergärten sind dafür ungeeignet - Gemeinde Freigericht sieht „Versteinerung“ äußerst kritisch


So stellen sich Menschen, die für ihr neues Eigenheim und die Außenanlage viel Geld ausgeben, ihren schönen Besitz vor. Insbesondere der grüne und mit Sträuchern bewachsene Garten sowie auch der gleichermaßen gepflegte Vorgarten als sehenswerter Blickfang sollen Orte sein, an denen man sich gerne aufhält und sich erholen kann. Aber leider scheinen manche Vorteile eines Lebens in grüner Natur und guter Luft zunehmend vergessen zu werden. Nur so ist zu erklären, dass schön bewachsene Vorgärten als Steinwüsten oder Schotterplätze gestaltet oder umgewandelt werden. So werden für Insekten sinnvolle und blühende Bepflanzungen von Kieselsteinen, Splitt oder grobem Basaltbruch verdrängt. Damit soll der Pflegeaufwand für den Vorgarten verringert und dieser ständig ordentlich präsentiert werden. Die Notwendigkeit des Naturschutzes und die Überlegung, dass damit überhaupt keine Gartenarbeit mehr anfällt, kommt zu kurz. Vergessen wird mitunter, dass weiterhin Unkraut entstehen kann und evtl. auch Laub beseitigt werden muss. Wer sich eines Laubbläsers bedienen will, riskiert Lärm, tötet zwischen den Steinen befindliche Insekten und andere Nützlinge oder saugt sie auf. Auf den Besuch von Vögeln wird der Hausbesitzer verzichtet müssen. Die chemische Entfernung mit Herbiziden ist ohnehin verboten. Vorzuziehen sei doch Grün statt Grau in Grau, erklärt Barbara Schmitt vom Bauamt der Gemeinde und plädiert eher für eine naturnahe Gestaltung. Sie steht auch gerne für Informationen zu bienenfreundlichen Maßnahmen zu Verfügung (Tel.: 06055 916-433).
Wenn auf einer solchen Fläche z.B. weder Löwenzahl noch Vogelmiere entstehen sollen, müssen unterhalb des Schotters ein Unkrautvlies oder noch dichtere Materialien verlegt werden, was wiederum nicht umweltfreundlich ist. Zwischen den Steinen werden sich auch danach Ablagerungen ansammeln, die entfernt werden müssen. Die Verlegung von Schotter belastet und verdichtet zudem den Boden, der nicht wie naturbelassene Flächen Regenwasser aufnehmen kann. Ein Ablaufen von Starkregen in die öffentliche Kanalisation ist die mögliche Folge. Die Anlage eines Vorgartens mit Schotter verursacht zudem erhebliche Kosten und ist auch in der Folgezeit mit finanziellen Aufwendungen z.B. für Pflegearbeiten, damit das Aussehen erhalten bleibt, verbunden. Auch an einen nach Jahren notwendigen Austausch des unansehnlich gewordenen Schotters sollte gedacht werden. Aus der Sicht des Naturschutzes sollte jeder, der sich mit dem Gedanken befasst, seinen Vorgarten zu „versteinern“ überlegen, ob es nicht andere und bessere Alternativen gibt. Um einen naturnah gestalteten und kostengünstigen Garten anzulegen, bietet sich eine Vielzahl von pflegeleichten Bodendeckern an. Zu denken ist beispielsweise an den Storchenschnabel aber auch an verschiedene Gräser. Über die geeigneten Möglichkeiten beraten Landschaftsgärtner und Gartenbaubetriebe.
Die Gemeinde weist darauf hin, dass der Natur und dem Umweltschutz eine besondere Bedeutung zukommen und jeder hierzu beitragen kann und soll. Die Gemeinde hat z. B. durch bienenfreundliche Maßnahmen in Form von Blühwiesen Akzente gesetzt, um die Artenvielfalt zu erhalten. Bürger sollten deshalb nicht nur an den ungewissen eigenen Vorteil denken, sondern den Nutzen eines Naturgartens für die Allgemeinheit im Auge behalten.