Das Foto zeigt das Schloss auf Hof Trages. Im Hintergrund ist die Kapelle zu sehen.

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Hof Trages

Südwestlich von Somborn an der Grenze zu Bayern liegt das Gut Trages. Seinen Namen verdankt es wohl dem Umstand der Rodung dieses Gebietes durch einen Drago, der im 9. Jahrhundert von Somborn aus einen sogenannten „Beyfang" durch Urbarmachung in den Wald vorgetrieben hatte.

Im 14. Jahrhundert werden zwei Höfe erwähnt: Vorder und Hinter Drages. Dem Peter von Dragus wird anno 1358 das Land durch die Ronneburger verwüstet. 1374 übergaben laut Urkunde Arnulf von Drages, seine Frau und 5 Söhne ihren Hof „Zum Trages" dem Herrn Ulrich von Hanau und erhielten den Hof als erbliches Lehen zurück. Als Abgabe hatten sie nur ein „Fastnachtshuhn" zu entrichten und die Pflicht, durchreisenden Herren einen Ehrentrunk zu reichen.
Im 30jährigen Krieg wurde Trages völlig zerstört und seine Bewohner vertrieben. Laut Lehensbrief von 1639 gab Hanau dem Dietrich von Erkenbrecht die „Höfe zum Trages" zu Lehen. Von dessen Nachkommen kaufte der Hanauische Kanzler von Cranz die Güter Trages und Hüttelngesäß Anfang des 18. Jahrhunderts (1727). Er und sein Sohn errichteten den Hauptanteil der heutigen Gebäude des ehemaligen Wirtschaftshofes und die Parkanlage mit den heute alten und stattlichen Bäumen sowie ein Gartenhaus, den Grundstock des jetzigen Schloßgebäudes. 1751 vererbte der kinderlose Johann Sebastian von Cranz Trages und Hüttelngesäß an den Sohn seiner Schwester, den nassauusingischen Geheimen Rat Christian Carl Ludwig von Savigny.

Von dessen 12 Kindern überlebt nur der am 21. Februar 1779 geborene Friedrich Carl von Savigny seine Eltern und Geschwister und war mit 16 Jahren allein und ohne Angehörige der einzige Sproß der Familie von Savigny.

Doch ungewöhnlich wie sein Jugendschicksal war auch sein weiterer Lebensweg. Im Alter von 16 Jahren begann er seine juristischen Studien an der Universität Marburg und später in Jena und Göttingen, promovierte schon 1800 zum Dr. jur. und nahm, mit 24 Jahren bereits Professor, seine Lehrtätigkeit in Marburg auf. Daneben betrieb er intensive juristische Forschung. Im Jahre 1803 erschien sein erstes bedeutendes Werk „Das Recht des Besitzes". Darüber schrieb der Rechtsgelehrte Brun: „Durch dieses epochemachende Werk rückte Savigny auf in die Klassiker der Nation und wurde eigentlicher Begründer der historischen Rechtsschule, ihr Führer, ihr Haupt."

Schon in seinen Studien- und ersten Lehrjahren hatte Savigny einen großen Kreis von Freunden und Schülern um sich versammelt, die wie er in Wissenschaft und Dichtung ihrer Zeit große Bedeutung erlangt haben. Seine Studienfreunde waren die Dichter Clemens Brentano und Achim von Arnim, die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm, die Dichterinnen Bettina Brentano, die spätere Gattin Achim von Arnim's und deren Freundin Caroline von Günderode. Zusammen mit Savigny - er heiratete 1804 die Schwester Brentano's, Guida - waren diese häufig „auf demTrages", dessen idyllische Lage und Umgebung für ihre romantischen Gefühle, ihre Liebe zur Natur, ihre Begeisterung für Heimatgefühl, Volkslied und Märchen dort rechte Nahrung und Anregung fand.

Clemens Brentano schrieb hier sein berühmtes Märchen „Gockel, Hinkel und Gackeleia". Im Brentano-Zimmer künden noch heute die 1809 bemalten Wände mit romantischen Darstellungen und Spottversen von ihrem Treiben. Das Günderode-Häuschen neben dem alten Herrnhaus steht noch, und in vielen Briefen dieses Dichterkreises wird das Leben auf Trages beschrieben. Die wissenschaftliche Tätigkeit führte Friedrich Carl von Savigny zwar weit fort: 1804/05 zu Rechtsforschungen nach Paris, 1808-10 als Professor nach Landshut. 1810 erfolgte die Berufung an die neugegründete Humboldt-Univesität in Berlin, deren Rektor er 1812 als Nachfolger des Philosophen Fichte wurde. In Berlin veröffentlichte er seine großen Lebenswerke „Geschichte des römischen Rechts" und „System des römischen Rechts", zwei Grundlagen unseres heutigen Rechts und des internationalen Privatrechts. Unter Friedrich Wilhelm IV, wurde er Präsident des Staatsrates und 1847 Ministerpräsident. Jedoch kehrte er immer wieder nach Trages zurück, dessen Geschicke er auch aus der Ferne mit seiner großen Gründlichkeit leitete.

Jetzt ruht er in der Familiengruft in der Kapelle in Trages, die 1870 von seinem Sohn Carl Friedrich von Savigny, ebenso wie das Schloss in seinem heutigen Hauptteil, erbaut wurde. Carl Friedrich von Savigny war Mitschüler und dann Studienfreund von Bismarck, mit dem ihn gemeinsame politische Tätigkeit verband, bis Savigny mit anderen führenden Politikern im Dezember 1870 die Zentrumspartei gründete.

Unter seinem Nachfolger, dem Reichstagsabgeordneten Carl von Savigny, wurde Trages zu einem modernen Landwirtschafts- und Forstbetrieb ausgebaut, der nach der Auflösung der selbständigen Gutsbezirke im Jahre 1929 auch verwaltungsmäßig, gemeindlich zu Somborn, jetzt Freigericht, gehört.

Baulichen und schriftlichen Zeugnisse der Geschichte dieses „Hof Trages" sind bis heute erhalten.