Foto des Eingangsbereichs der Alten Synagoge

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Synagoge

Bis 1938 gab es in Somborn eine jüdische Gemeinde. Sie entstand bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts, wurde jedoch erst 1904 selbstständig. Vorher gehörten die jüdischen Familien der Meerholzer Gemeinde an. Seit 1877 wurde sie als Filialgemeinde zu Meerholz geführt. In einem Privathaus, in der Hanauer Straße 4, war nach 1877 ein Betraum eingerichtet.

Mehr als zwei Jahrzehnte später, am 1. Januar 1905, verfügte der Regierungspräsident die endgültige Trennung von der Synagogengemeinde Meerholz. David Sonneberg und Karl Strauß wurden zu Synagogenältesten bestellt. Die Planung und Fertigstellung der Synagoge in der Josefstraße 14 dauerte von 1904 bis 1906. Sie erfolgte aus eigenen finanziellen Mitteln, was zur damaligen Zeit eine große Anstrengung darstellte.

Am 22. Juni 1906 wurde die Synagoge in Somborn feierlich durch den Provinzialrabbiner Dr. Bamberger aus Hanau eingeweiht. Die Synagoge hatte 40 Plätze für Männer und 27 für Frauen. Bei dem Gebäude handelte es sich um einen längs gerichteten Saalbau mit einem steilen Satteldach und einem markanten, reich gegliederten Westgiebel über dem Eingangsportal. Wichtig waren unter anderem die Lage des Betsaales und damit die Orientierung des Thora-Schreins in östliche Richtung, sowie ausreichend vorhandenes Quellwasser für das rituelle Tauchbad (Mikwe).

Während des Novemberpogroms am 09.11.1938 kamen vier angetrunkene SA-Leute aus dem nahegelegenen Lokal. Sie traten die Tür der Synagoge ein und versuchten im Vorraum unter der Empore Feuer zu legen. Die Anwohner kamen herangeeilt und einer von ihnen fuhr zum damaligen Bürgermeister Streb. Die vier SA-Leute hatten unterdessen den Betraum schon teilweise verwüstet. Als der Bürgermeister eintraf, versuchte er, einer weiteren Verwüstung entgegenzuwirken. Ein Brand und die Zerstörung der Synagoge wurden so verhindert.

Während des Krieges diente die Synagoge als Unterkunft für polnische, dann französische und schließlich russische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus den besetzten Gebieten. Nach Ende des Krieges wurde die Synagoge für kurze Zeit zur Auszahlung der Arbeitslosengelder für Freigerichter Arbeitslose genutzt. Nach 1945 wurde der Betraum zum Schulraum für die Lateinschüler. Ab 1955 stand das Gebäude für einige Jahre leer.

In den sechziger Jahren wurde die Synagoge von der politischen Gemeinde Somborn an die Firma Albert Kreis verkauft, da der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen sich nicht in der Lage sah, die geschändete Synagoge mit Grundstück zu übernehmen.

Die Synagoge wurde 1965 zu einem heute noch bestehenden Wohnhaus umgebaut. Durch die Umbauten wurde das Gebäude als frühere Synagoge unkenntlich gemacht.

Die Baupläne der außergewöhnlich schönen Synagoge sind leider - trotz intensiver Suche in den Archiven - bisher nicht gefunden worden.

Ehemaliger Standort:

Alte Synagoge in Freigericht
Josefstraße 14
63579 Freigericht
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